Bei unserer Veranstaltung „Wohnen in allen Lebenslagen“ war mir wichtig, eine zentrale Frage in den Mittelpunkt zu stellen: Wie schaffen wir es, dass Menschen – gerade im Alter – möglichst lange selbstbestimmt in ihrem Zuhause und in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können?
Der Abend hat deutlich gemacht, wie viele Bausteine dafür zusammenspielen müssen. Der Oekumenische Sozialdienst Gröbenzell hat eindrucksvoll gezeigt, welche Angebote bereits bestehen: ambulante Pflege, Tagespflege, Seniorenberatung, Begegnungsstätte, Menüservice und zahlreiche ehrenamtliche Initiativen. Diese Arbeit ist für unseren Ort von unschätzbarem Wert. Mir war deshalb wichtig zu betonen, dass solche Angebote politisch abgesichert werden müssen. Dass es gelungen ist, wieder eine Mehrheit für die finanzielle Absicherung des Sozialdienstes zu finden, ist aus meiner Sicht ein entscheidender Schritt. Wer möchte, dass Menschen im Alter im Ort bleiben können, muss genau diese Strukturen stärken.
Mit dem Projekt „Raum genug“ wurde ein spannender Ansatz vorgestellt, der auch für Gröbenzell große Bedeutung haben kann: Umbau statt Neubau. Viele ältere Menschen leben heute in Häusern, die ursprünglich für Familien gedacht waren. Gleichzeitig fehlt bezahlbarer Wohnraum. Durch Aufstockung, Anbau oder Teilung könnten bestehende Gebäude weiterentwickelt werden – klimafreundlich und ohne neue Flächen zu versiegeln. Die Diskussion hat aber auch gezeigt, wie komplex solche Vorhaben sind: Baurecht, Stellplatzregelungen, Finanzierung und Genehmigungsverfahren stellen viele Eigentümer vor große Hürden.
Für Gröbenzell ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Wir sind eine der am dichtesten besiedelten Kommunen Bayerns und haben zahlreiche Reihenhäuser aus den 1960er/1970er-Jahren – eine besondere Herausforderung. Wenn wir Lösungen finden wollen, müssen sie zur dichten Bebauung und zur Realität unseres Ortes passen. Das heißt für mich: pragmatisch denken, Spielräume prüfen und Regelungen so gestalten, dass Umbauten im Bestand tatsächlich möglich werden.
Gleichzeitig sehe ich die Gemeinde in einer klaren Verantwortung, eigene Handlungsmöglichkeiten zu nutzen. Dazu gehört für mich, kommunale Gebäude sinnvoll einzusetzen – etwa für soziale Projekte wie eine externe Ausgabestelle des Sozialdienstes. Vor allem aber dürfen wir gemeindliche Grundstücke nicht kurzfristig verkaufen, nur um Haushaltslöcher zu stopfen. Wir müssen sie strategisch einsetzen, etwa über Erbpachtmodelle mit klaren sozialen Zielsetzungen. So können wir langfristig bezahlbaren und bedarfsgerechten Wohnraum ermöglichen.
Auch Projekte wie „Wohnen für Hilfe“ gehören in diese Überlegungen. Wenn wir solche Modelle wieder aufgreifen, dann mit klarer Struktur, gutem Marketing und echter Umsetzung – nicht halbherzig.
Der Abend hat mir noch einmal deutlich gezeigt: Wohnen im Alter ist kein Nischenthema. Es geht um soziale Infrastruktur, um Zusammenhalt, um Baurecht, um Klimaschutz und um verantwortungsvolle kommunale Bodenpolitik. Wenn wir Gröbenzell auch in Zukunft lebenswert halten wollen, müssen wir genau hier ansetzen – mit realistischen Lösungen für unseren Bestand und mit einer starken sozialen Basis im Ort.
